Warming up

Bevor man mit Kindern und Jugendlichen Meditations- oder Rollenspielübungen durchführt, sollte man darauf achten, daß in der Gruppe eine entspannte und aufgelockerte Stimmung herrscht. Es ist sinnvoll, deshalb Auflockerungsübungen durchzuführen. Der Schwierigkeitsgrad dieser Übungen soll leicht ansteigen. Eine Meditation kann am besten gelingen, ein Rollenspiel kann am besten durchgeführt werden, wenn man fühlt, daß die Gruppe fröhlich ist.

Beispiele:
(Quelle: Chesler, Mark / Fox, Robert: Warm-up Exercises; Chicago 1966)

1. Gruppenübungen

Sie sollen rein pantomimisch durchgeführt werden und verlangen ein Minimum emotionaler Beteiligung. Sie sind auch geeignet für Gruppen- mitglieder, die solche Aktivitäten nnoch nicht kennen und / oder schüchtern sind.

1.1. Gib vor, daß du barfuß gehst (die ganze Gruppe im Uhrzeigersinn):
     - durch sehr tiefen Schnee
     - auf Glasmurmeln
     - auf spitzen Steinen
     - durch herbstliche Blätter
     - auf einer taukalten Wiese
     - durch einen sprudelnden, glitschnassen Gebirgsbach
1.2. Gib vor, daß du ißt:
     - Eiscreme
     - Kartoffelchips
     - eine Essiggurke
     - eine Zitrone
1.3. In der Gruppe wird im Kreis etwas hin- und hergeworfen:
     - ein Ball
     - ein großer Eisbrocken
     - eine Feder
     - ein Kissen
     - eine sehr heiße Kartoffel
1.4. Zeigt euch gegenseitig, was ihr tun würdet, wenn:
     - du gerade von einer langen Bergwanderung zurückgekehrt bist
     - die Temperatur auf 35 Grad im Schatten angestiegen ist
     - du versuchst, einen Felsbrocken zu heben
     - du eine Blase unter dem Fuß hast und du dich beeilen mußt, rechtzeitig zum 
        Gruppentreffen zu kommen
     - dir ein Staubkorn ins Auge gefallen ist
     - du einen vollen Eimer Wasser tragen mußt, ohne etwas zu verschütten
1.5. Zeige den anderen, ohne Hilfsmittel:
     - wie du dir morgens die Zähne putzt
     - du zwei Bretter aufeinander nagelst
     - wie du dir einen Stempel von der Gipfelwanderung auf die
       Stirn geben läßt
     - wie du dir einen Pullover anziehst
     - wie ihr zu zweit einen Verletzten transportiert
1.6. Suche dir einen Partner, eine Partnerin und gib vor, das
     Spiegelbild zu sein

2. Einzelübungen

Sie verlangeren ein höheres Maß emotionaler Beteiligung. Dazu muß sichergestellt sein, daß man zwar gemeinsam lachen kann, aber niemand Angst haben muß, ausgelacht zu werden. Führe sie durch Körperbewegungen und starke Mimik ohne oder mit wenig Worten durch:

Zeige, was du fühlst, wenn:

2. 1. du angerufen wirst: jemand lädt dich zur Party ein
2. 2. du angerufen wirst: dir soll heute ein Zahn gezogen werden
2. 3. du aus dem Fenster siehst und erlebst, wie ein kleiner Vogel gegen die Scheibe fliegt, 
        scheinbar tod zu Boden fällt, sich aufrappelt und davonfliegt
2. 4. du siehst, wie ein großer Hund auf dich zuspringt
2. 5. du ein großes Paket mit viel Geschenkpapier auspackst
2. 6. du einen schönen Stein auf der Wanderung findest
2. 7. du siehst, daß jemand mehrere Seiten aus dem Gesangbuch herausgerissen hat
2. 8. du in eine große, wunderschöne Kirche eintritts
2. 9. du zu einem (gedachten) schnellen Rhythmus tanzt
2.10. du einen sehr lustigen Film siehst
2.11. du ein sehr komisches Buch liest
2.12. du siehst, wie Leute einen kleinen Hund quälen
2.13. du einen Freund triffst, der über dich eine Lügengeschichte erzählt hat
2.14. du gerade durch eine wichtige Prüfung gefallen bist
2.15. du gerade erfährst, daß eine schwere Arbeit sehr gut für dich ausgefallen ist

3. Gruppenaufgabe

Bilde dazu Fünfergruppen und einigt euch darauf, die Aufgaben gemeinsam freundschaftlich zu lösen. Ihr habt dazu fünf Minuten Zeit:

3.1. Hausbau
Zwei bilden die Wände, zwei das Dach, einer ist Architekt und stellt sich zum Schluß in das Haus. Nach einem Signal gehen die Architekten zu den anderen Häusern und loben die Konstruktion.
3.2. Lebende Maschine
Einigt euch darauf, zum Beispiel eine Kolbenmaschine, einen Raddampfer, eine Windmühle, einen Kassettenrecorder, ein Fahrrad darzustellen
3.3. Menschen bei der Arbeit
Stellt eine Baukolonne, eine Kochmannschaft, Bergarbeiter, Baumfäller, eine Gruppe von Treppentischlern, eine Betreuerin mit ihrer spielenden Gruppe ... dar.

4. Meditation

4.0. Einführung

Setzt oder legt euch bequem auf die Erde. Sorgt dafür, daß ihr zur Ruhe kommt. Schließt die Augen. Legt eure Beine, eure Arme, den Kopf so, daß ihr unverkrampft und locker sitzt oder liegt. Hört nur auf die Darbietung und laßt euch auf die Phantasiereise ein.

4.1. Augen schließen

Vielleicht kommt es dir merkwürdig vor, mitten am Tag die Augen zu verschließen... Du kannst jetzt versuchen, das ein wenig zu üben... Ich zähle langsam von 1 - 10, und du probierst, wie lange du die Augen schließen kannst... Vielleicht möchtest du es noch einmal versuchen... Schließe aber die Augen sanft, presse sie nicht zusammen...

4.2. Äußere und innere Welt

Schau dich einmal im Raum hier um...Was kannst du alles mit offenen Augen sehen?...(z.B. Tisch, Fenster, Stuhl, Bett, Waschbecken...) Schließe nun deine `äußeren Augen' und öffne dein `inneres Auge': Kannst du das? ... Stelle dir einmal mit dem inneren Auge, deiner
Phantasie einen `Ball' vor... Wenn du ihn deutlich siehst, nicke mit dem Kopf...Magst du mir erzählen und den anderen zuhören, wie der Ball ausgesehen hat?

4.3. Eine erste Phantasiereise

Schließe bitte wieder die Augen. Stell dir diesen Raum vor. Wir wollen uns vorstellen, daß ein Junge in der Eckle steht. Wir wollen ihm einen Hut geben. Welche Farbe hat der Hut?... Schließe die Augen wieder. Wir wollen dem Jungen jetzt einen Pullover gegen. Wie sieht er aus?... Schließe wieder die Augen. Laß den Jungen sich in die andere Ecke  gehen... Laß ihn in die Luft springen... Laß ihn noch höher in die Luft springen. Laß ihn auf einem Stuhl sitzen. Nun laß den Stuhl schweben. Stelle dir das Gesicht des Jungen auf dem schwebenden Stuhl
vor. Er schwebt dicht unter der Decke. Nun singt er ein Lied. Welches Lied hat er gesungen?... Schließe die Augen wieder. Laß den Jungen wieder langsam zur Erde schweben. Der Stuhl setzt auf, er steht auf und setzt sich in eure Runde... Habt ihr ihm Platz gemacht? 

4.4. Wanderung zum Regenbogen

Einführung wie 4.0.

Stell dir vor, du gehst auf einer wunderschönen Wiese spazieren... Vögel zwitschern... weit weg siehst du Hügel und Wälder...Während du so dahinwanderst, taucht vor dir ein Regenbogen auf...überstrahlt mit sanftem Licht die Landschaft... wunderbare Farben... eine
seltsame, geheimnisvolle Stimmung... Du erinnerst Dich an die alte Geschichte, daß am Ende eines Regenbogens ein Schatz zu finden ist ... Du machst dich auf den Weg... gehst dem Regenbogen nach... Du siehst, wie hinter dem Hügel der Regenbogen niedergeht...
Du kletterst über den Hügel... Du kommst dem Ende des Regenbogens näher... du kannst tatsächlich dort etwas sehen... Das Ende des Regenbogens zeigt auf ein Gefäß, daß im hohen Gras steht... Du gehst näher hin...und bemerkst, daß dein Name auf der Wand steht...
Du siehst hinein... und findest einen Ring... Es ist ein Zauberring... Er ist imstande, dir das zu geben, was du gerade jetzt zum Leben  brauchst... was dir hilft, deine Ziele zu erreichen.. was dich sicher macht... oder dir Kraft gibt... Du steckst den Ring an... drehst ihn 
einmal um... und merkst, wie sogleich dein Wunsch in Erfüllung geht...und all das in deiner Phantasie geschieht, was gut für dich ist...Stelle es dir noch einen Augenblick vor... Öffne nun langsam die Augen... Sieh dich um... Strecke ein wenig die Glieder... Erzähle
ein wenig, was du auf der Phantasiereise erlebt hast... Wie du dich gefühlt hast... Wie du dich jetzt fühlst... 

4.5. Einsatz einer Meditationskassette 

H. Rosenthal