Dieser Artikel erschien 2003 in der EuW-Niedersachsen
Inzwischen ist die Arbeit des Internationalen Haus Sonnenberg gerettet.

Rettet das Internationale Haus Sonnenberg

Hallo Freunde,
die Internationale Tagungsstätte Haus Sonnenberg musste seine Pforten schließen. Es ist typisch,  dass in Zeiten der Entsolidarisierung DIE internationale Tagungsstätte der  Bundesrepublik für Menschen (nicht für leitendes Personal) kaputt gespart werden soll. Das darf nicht sein! Zur Zeit ist das Internationale Haus Sonnenberg  geschlossen und dem Insolvenzverwalter unterstellt.

Der Internationale Arbeitskreis Sonnenberg hat die erste Tagung 1949  durchgeführt. Das internationale Haus Sonnenberg wurde 1951 erstmals in  Deutschland gegründet. Jedes Jahr schloss sich eine andere nationale  Sonnenberg-Gruppe an, z.B. 1954 Großbritannien, zwei Jahre später auch Finnland und bis zu 2000 kamen noch 23 Gruppen aus den verschiedensten Ländern dazu. 

Das Haus Sonnenberg machte viele Fortschritte und entwickelte sich von Jahr zu  Jahr weiter. Zum Beispiel fand 1949 eine Aulandstagung in Dänemark statt.1954  begann die erste Jugendtagung mit 100 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus vier  Nationen. Außerdem führte man 1957 eine deutsch-französische Tagung durch, die  1963 zur Gründung des. "Komitees Niedersachsens -Normandie" führte. 

Das Internationale Haus Sonnenberg (IHS) nahm Jahr für Jahr Tausende von Gästen  aus aller Welt auf, in über 250 Seminare und Konferenzen. Das Angebot des  Internationalen Hauses Sonnenberg wurde ergänzt durch SonnenbergTagungen  außerhalb Deutschlands und durch Veranstaltungen von Regionalgruppen. 

Die Sicherung der Menschenrechte, Frieden, Solidarität sind Schwerpunkte der  inhaltlichen Arbeit. Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlicher nationaler  und sozialer Herkunft und Weltanschauung wurden über Bildungs- und  Sozialprobleme, Arbeitswelt und Freizeit, Umwelt und Wirtschaft, über aktuelle  und historische Themen informiert und zum Engagement in der Gesellschaft  angeregt. Im gemeinsamen Lernen und Erleben sollten Vorurteile überwunden und  Wege gesucht werden, die verantwortliches Handeln erleichtern. 

Dabei galt es, die Meinungen und Interessen anderer zu respektieren, Arbeit und Freizeit  während der Tagungen gemeinsam zu gestalten.  Die Bildungsarbeit wurde durch öffentliche Mittel und durch Beiträge von  Mitgliedern in vielen Ländern ermöglicht. 

Mehr als 2000 Mitglieder gehören zum  "Sonnenberg Kreis e.V." (SK) in Deutschland. Freundeskreise in 24 Staaten bilden  die "International Sonnenberg Association" (ISA). In geistiger und politischer  Unabhängigkeit fördern die Mitgliedervereine die Verständigung zwischen den  Völkern und Gruppen.  Neben den im Veranstaltungskalender ausgeschriebenen Tagungen wurden weitere  Maßnahmen nach Absprache durchgeführt. Dazu gehörten Landeskundeseminare für  Lehrkräfte z.B. aus Mittel und Osteuropa und Lateinamerika, Veranstaltungen in  Zusammenarbeit mit dem ´Nationalpark Harz´, sowie naturkundliche Kurse für  Schulklassen und Freizeitaufenthalte insbesondere für Behinderte. 
Aus dem Leistbild:  Präambel 

Der Internationale Arbeitskreis Sonnenberg geht auf eine Tagung im Januar 1949  zurück. Pädagoginnen und Pädagogen aus Dänemark und Deutschland trafen sich  damals im Harzer Landschulheim "Sonnenberg", um die Erfahrungen von Faschismus  und Krieg aufzuarbeiten und nach neuen Wegen internationaler Verständigung zu  suchen. Für ihre Begegnungen galt: "Lasst uns einen neuen Anfang setzen!". Aus  diesem kleinen Kreis von Menschen, der sich dem Frieden, der Demokratie und der Verwirklichung der Menschenrechte verpflichtet fühlte, entwickelte sich eine  politische Bildungsarbeit, die heute von Mitgliedern und Einrichtungen in über  25 Ländern getragen wird. 

Im Zuge des gesellschaftlichen Wandels haben sich seit  den Anfängen nicht nur Inhalte und Methodik-Didaktik, sondern auch  Organisationsstrukturen und ökonomische Rahmenbedingungen verändert. Geblieben  sind die gemeinsamen Überzeugungen der frühen 60er Jahre: "Miteinander sprechen,  Vorurteile überwinden, sich verständigen, verantwortlich handeln“. Diese Tagungsstätte muss gerettet werden! Bitte helft alle, ihre Arbeit wieder möglich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen, Hasso Rosenthal 

Aus:
„Sonnenberg-Briefe zur Völkerverständigung“; Braunschweig 1969

"Blick zurück - Blick in die Zukunft

Es begann am 5. Februar mit einem festlichen Empfang am Morgen und einem Blick zurück auf  20 Jahre internationale Bildungsarbeit des IAS.

Nach der Begrüßung der Gäste durch Herrn Walter Schulze und Dr. Günther Rönnebeck, dem Vorsitzenden des Kuratoriums, sprachen Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zum Thema "20 Jahre Sonnenberg-Kreis".

Die Zukunft stand im Mittelpunkt der Jubiläumstagung, die unter der Leitung von Walter Schulze stand und zu der sich größere Gruppen aus den Niederlanden, der Tschechoslowakei, Dänemark, einigen anderen europäischen Ländern und etwa 50 deutsche Teilnehmer im Internationalen Haus eingefunden hatten.

Gleich im ersten Vortrag von Dr. Robert Jungk "Vorauswissen ist Macht, Über die politische Bedeutung der Zukunftsforschung"  wurde ein Leitgedanke der Tagung angesprochen, Vorauswissen ist nötig und heute möglich, aber die Zukunft lässt sich nicht mit der Systemforschung und Trendberechnung allein bewältigen, vielmehr muss anhand dieses Wissens das Bemühen um wünschbare Entwicklungen einsetzen. Zwar muss der Mensch Geschichte nicht mehr erleiden, er kann sie gestalten. Aber in welchem Sinne die Möglichkeiten der Zukunft genutzt werden, ist eine Frage der politischen Entscheidung.

Die Schule der Zukunft entwarf Prof. Dr. Gottfried Hausmann: Will man den Modernitätsrückstand der Schule konsequent aufholen, dann sollte man sich an die Verwirklichung eines wahrhaft kühnen Modells heranwagen: die Schule als Großsystem, als außerhalb der Städte gelegenes riesiges Bildungszentrum, in dem sich endlich auch die Mitbeteiligung der Schüler und die Entlastung der Lehrer von Verwaltungsaufgaben real verwirklichen ließen. Durch Hereinnahme von Funktionen der Großfamilie und größtmögliche schulische Differenzierung, ferner durch Beratungslehrer, die zusammen mit den Eltern ihre Schüler über Jahre hinweg fördern, wären Aussichten auf Abbau von Bildungsprivilegien gegeben, und Chancengleichheit, heute immer noch bloße Forderung, könnte wenigstens annähernd erreicht werden. Zudem könnte die im Großsystem Schule notwendige Funktions- und Arbeitsteilung den Schülern Anschauungsunterricht in gesellschaftlicher Praxis vermitteln.

In einem Kolloquium mit drei tschechoslowakischen Referenten am Morgen des dritten Tages erfuhren die Teilnehmer etwas über futurologische Forschung in der CSSR: Futurologie sei in der CSSR zur kritischen Wissenschaft geworden. Die mehr praxisorientierte Zukunftsforschung, wie sie das Ministerium für Technik durchführt, untersucht zu erwartende Veränderungen der Arbeitskräftestruktur, Bevölkerungsstruktur und Schwerpunktverlagerungen in den Sektoren der Wirtschaft. Die Entwicklungsmöglichkeiten der Gesellschaft in Richtung auf dauernde Humanisierung und Demokratisierung hin seien nicht prinzipiell durch die biologische Natur des Menschen begrenzt; Veränderung gesellschaftlicher Normen, Verbesserung der Institutionen seien zu allererst nötig. Allerdings hingen die objektiven Freiheitsmöglichkeiten vom Stand der Produktivkräfte ab.

In drei Referaten über die weitreichenden Möglichkeiten wirtschaftlich -technischer Entwicklung und biologischer Forschung wurde deutlich, dass Politiker und kritische Öffentlichkeit die Zukunftstrends kennen müssen, um Entwicklungen bewusst zu steuern, sie nicht sich selbst und dem jeweils mächtigsten Interesse zu überlassen, das sich dann unkontrolliert durchsetzt. Verminderung des Leidens oder schrankenlose Manipulation der biologischen Substanz, dauernde planvolle Verlängerung der Freizeit oder technologische Arbeitslosigkeit - das sind Beispiele alternierender Entwicklungsmöglichkeiten in Biologie und Wirtschaft, die deutlich machten, dass es keinen Zukunftsautomatismus gibt.

Welche neuen Aspekte ergeben sich daraus für den alten, aber längst noch nicht ausgestandenen Streit um die Wertfreiheit der Wissenschaft? Eine engagierte Diskussion bis tief in die Nacht hinein um diese Grundsatzfrage zeigte, dass konservative und progressive Ansätze sich in mindestens einem Punkte nähern: noch allen Erfahrungen der letzten Zeit kann eine politische Verantwortung des Wissenschaftlers nicht mehr zurückgewiesen werden.

Die Psychologie kann keine Heilsbotschaften für ein Leben ohne Angst und Erniedrigung anbieten, sagte Dr. Mahler vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt. Trotz sensationeller Leistungen in Naturwissenschaft und Technik ist der Mensch seiner eigenen Natur und Psyche immer noch ausgeliefert. Noch immer hat der Mensch einen guten Teil seiner Funktionen an Obrigkeiten abgegeben, noch nie war das mündige Individuum Subjekt seiner Geschichte. Beim gegenwärtigen Stand des Bewusstseins fungiere Technik oft genug als magischer Kult. Die psychoanalytischen Ergebnisse warten noch auf volle gesellschaftliche Auswertung und Anwendung.

Aus den Erfahrungen seiner Praxis leitete der Referent die Chance ab, Gruppentherapie, d. h. Einübung kritischen Denkens und demokratischer Verhaltensweisen, gegen massenpsychologische Mechanismen einzusetzen. Sehr schwierig aber sinnvoll sei der Prozess, dem nichtangepassten Menschen zu helfen, kritische Haltungen weiterzuentwickeln, statt ihn so schnell wie möglich "funktionsfähig" zu machen. Den studentischen Protesten schrieb Dr. Mahler eine geburtshelferische Rolle für die Zukunft zu.

In Entwicklungsländern, wo die Beseitigung von Elend und materieller Not zuerst anstehen, stellt sich die Frage nach den Zukunftsaussichten noch dringender. Chancengleichheit muss daher auch international gefordert werden, sagte Joachim Raffert, MdB, in seinem Vortrag über die Erwachsenenbildung in der Zukunft. Er konnte aus Südamerika einige Maximen der Erwachsenenbildung berichten, die universale Gültigkeit beanspruchen können: die Würde des Menschen respektieren; ihm das sichere Gefühl geben, dass er potentiell über alle geistigen Fähigkeiten verfügt; seine Privatsphäre garantieren; ihm helfen, seine sozialen Aufgaben zu erfüllen.

Will man der Demokratie eine Zukunft sichern, dann darf man sich keineswegs auf ruhige Zeiten einstellen. Demokratie ist Konflikt - das war einer der Grundgedanken des Referats von Dr. Werner Remmers, der Mitglied des Niedersächsischen Landtags ist.

Mancher mag sich anfangs gewundert haben, dass viele Referenten die Unruhe in der Jugend positiv einschätzten. "Hier haben wir seit langer Zeit wieder eine Generation vor uns so etwa sagten sie, "die sich weigert, in den komfortablen eingefahrenen Bohnen weiterzutrotten". Gegen Ende der Tagung dagegen dürfte vielen klar gewesen sein: unsere liebgewordenen Anschauungen sind revisionsbedürftig.

Arnhelm Neusüss fand deshalb ein aufgeschlossenes Auditorium für seinen Vortrag über "Konkrete Utopie - Zur Revision unserer Denkgewohnheiten". Philosophischer Ansatz und praktische Konsequenz wurden zunächst historisch nachgezeichnet. Beinhaltete die Utopie zu Beginn der Neuzeit noch lediglich Wünsche und Vorstellungen über die ideale Gesellschaft oder meinte die einfache Vorwegnahme von Handlungen, so kam durch Marx eine konkrete Intention in die Utopie hinein. Die Forderung, dass ein neues Modell entworfen sein muss, noch dem man die Gesellschaft einrichtet, sei eine der im Titel angesprochenen revisionsbedürftigen Denkgewohnheiten. Sie gehe von einer falschen Vorstellung von konkreter Utopie aus, sofern sie Theorie und Praxis als zeitliche Abfolge begreife. Die längst überfällige Beseitigung von Herrschaftsstrukturen, die sachlich nicht mehr notwendig sind, kann man sich heute nicht mehr als Barrikadenkampf vorstellen, meinte der Referent, vielmehr muss man sich auf einen langen Prozess der Bewusstmachung einrichten. Erst dann bestehe die Chance vernünftiger, planvoller Veränderung der materiellen Verhältnisse. Revolutionäre neue Praxis heiße deshalb heute Revision der Denkgewohnheiten'."

Hasso Rosenthal 

Aktuell aus der Goslarschen Zeitung vom 20. 12. 2011

 Andreas Zieske, der in Berlin als Geschäftsführer arbeitet, wechselt jetzt in den Oberharz und tritt als Chef des Internationalen Hauses Sonnenberg die Nachfolge Reimund Bergers an.

Bereits vor 20 Jahren hat Zieske einmal ein Seminar in der Einrichtung auf der Kälberwiese zwischen Sonnenberg und St. Andreasberg gegeben. Als die Einrichtung, die als Heimvolkshochschule anerkannt ist, vor wenigen Monaten deutschlandweit nach einem Nachfolger für Reimund Berger als Geschäftsführer suchte, habe er sich sofort beworben.

„Ich finde, die Einrichtung ist wie ein kleiner Campus“, sagte Zieske. Neben ihm, der seit mehr als fünf Jahren als Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft örtlich regionaler Träger der Jugendsozialarbeit arbeitet, haben sich noch weitere 25 Frauen und Männer um die Stelle beworben. „Die Auswahl fiel uns gar nicht so leicht“, berichtet Claus Jähner, der Vorsitzender des Trägervereins der Einrichtung ist.

Den Ausschlag habe letztlich das Netzwerk gegeben, das Zieske mitbringe, teilten Jähner und der jetzige Geschäftsführer Reimund Berger mit. Der neue Chef, der zum 1. März seine Stelle antritt, verfüge über „hervorragende Kontakte“ von denen nun auch das Internationale Haus Sonnenberg profitieren solle, meinte Jähner.

Reimund Berger ist leider im Januar verstorben. Wir trauern alle um einen großen Freund der Sonnenberg-Idee.

 

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