Argumente gegen rechts

Oft wird berichtet über die Tendenz einiger Jugendlicher (nicht erwähnt werden die Erwachsenen), sich `rechts´ politisch anzusiedeln. Dies ist ein bundesweites Problem, mit dem sich Familien, Gemeinden, Parlamente Medien, Schulen und Kirchen auseinandersetzen und an dem sie stärker arbeiten müssen.

Die Ursachen beschreibt Bernd Wagner (Berlin) so: „Die Grundlagen des Rechtsextremismus basieren auf den Prinzipien der Ungleichheit menschlicher "Rassen", des Rechts des Stärkeren und der Gewalt. Besonders häufig in der Geschichte traten diese Prinzipien als Antisemitismus in Erscheinung. Heute stellt sich Rechtsextremismus meist als genereller Fremdenhass dar. Gruppierungen, die sich damit identifizieren, arbeiten mit modernsten Kommunikationsmitteln, betreiben Netzwerkarbeit auch über das Internet." Als Gründe dafür nennt Wagner zunehmende Armut, Arbeitslosigkeit sowie Werte- und Normenverlust bei vielen Menschen. (Quelle:Frankfurter Rundschau)

Ich möchte einige gängige Behauptungen, die Bürger in das rechtsradikale Lager abdriften lassen, aufgreifen und versuche, sie zu widerlegen:

(siehe auch: Folgen der NS-Zeit)

(siehe auch: Wenn wir uns erinnern und moralisch urteilen, stellt sich  Eingedenken her)

1. Behauptung: „Die Bundesrepublik ist der Zahlmeister der EU. Europäische Freizügigkeit
    bedeutet Kriminellen- und Drogenimport!"

Falsch: Die Bundesrepublik ist zwar einer der Netto-Zahler in der EU. Aber sie gewinnt auch wie kein anderes Land vom europäischen Markt. Deutschland ist Export-Weltmeister und ohne offene Grenzen der EU würde jeder dritte Deutsche arbeitslos werden. Mit dem Schengener Abkommen gibt es europaweit die erste gemeinsame Übereinkunft und
praktizierte Politik gegen Kriminalität und Drogen europaweit. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Kriminalitätsrate nach der Öffnung der Grenzen zurückgegangen ist.

2. Behauptung: „Ausländer sind Schmarotzer, die sich auf dem Rücken der fleißigen Deutschen
    ausruhen!"

Falsch: Die Rechten sehen ausländische Mitbürger, auch wenn sie in der dritten Generation hier leben, als Gäste, die zwar Steuern und Sozialabgaben zahlen sollen, die aber keinen Anspruch auf Arbeitsverträge, Sozialleistungen und Daueraufenthalt haben düften. Verschwiegen wird, dass die große Mehrzahl der Mitbürger ausländischer Abstammung dazu beitragen, das Renten- und Versicherungssystem zu stabilisieren. Eine von den Rechten beschriebene `Überfremdung´ entspricht nicht der Realität. Frankreich, die Niederlande, die Schweiz oder Luxemburg haben viel höhere `Ausländeranteile´. Es hat aber immer in der Geschichte ein Geben und Nehmen von Bevölkerungsströmen gegeben. So sind im 19. Jahrhundert über 5 Millionen Deutsche aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ausgewandert. In der Zeit nach 1933 haben hunderttausende Deutsche Asyl im Ausland gesucht. Nach 1945 sind 12 Millionen Menschen bei in Westdeutschland eingewandert.

3. Behauptung „Die Kosten durch die Ausländer machen unseren Staat kaputt!"

Falsch:Über 2 Millionen ausländischer Mitbürger sind versicherungspflichtig tätig. Ganze Wirtschaftsbereiche würden kaputt gehen, gäbe es sie nicht. Sie stehen an Fließbändern, ernten Obst, putzen Fenster, Hotels und Restaurants wären ohne ihre Dienste aufgeschmissen. An Lohn- und Einkommenssteuer, für die Rentenkassen zahlen ausländische Mitbürger 20 Mrd. DM. Ca. 5 Mrd. DM kosten jährlich Asylbewerber und Aussiedler. Die Mitbürger ausländischer Herkunft kaufen Waren ein, zahlen Miete, kurbeln wie die deutschen Mitbürger die Wirtschaft an. Außerdem ist Ausländerfeindlichkeit in einer Zeit, in der internationale Wirtschaftsbeziehungen für jeden von uns eine immer größere Rolle spielen, einfach nur falsches, unmoralisches Denken.

4. Behauptung: „Ausländer nehmen Deutschen die Arbeit weg!"

Falsch: Nach dem Arbeitsförderungsgesetz werden mit festen Regeln Stellen vermittelt: Erst kommen Deutsche, Aussiedler und EU-Bürger, danach Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis und dann zum Schluss erst Asylbewerber. In Zukunft werden Ausländer für den deutschen Arbeitsmarkt noch wichtiger, denn die Alterspyramide wird immer mehr zum Pilz. Wird die Lücke der geburtenschwachen Jahrgänge nicht mit ausländischen Arbeitnehmern aufgefüllt, gehen 15 % mehr Menschen in Rente als neu in den Beruf kommen.

5. Behauptung: „Ausländer sind eher kriminell als Deutsche!"

Falsch: Zieht man die Delikte ab, die Asylbewerber wegen ihres Status begehen (Verletzung der Reiseeinschränkungen ...), sind sie statistisch nicht häufiger kriminell als Deutsche. Der Spruch „Kriminelle Ausländer raus", den man so häufig in Sachsen-Anhalt von der DVU lesen musste und der wie lähmendes Gift sich in die gesamte Diskussion bundesweit
einschleicht (alle Bundesparteien haben inzwischen Statements im Sinne dieser `Forderung´ verkündet) führt die letztgenannte Behauptung weiter. Da wird unterschwellig behauptet, Ausländer seien eher kriminell. Dann steckt in dem Satz eine rechtsstaatliche Ungeheuerlichkeit: Für ausländische Mitbürger würden Grundrechte wie z.B. das Asylrecht nicht gelten. Natürlich kann man schon lange Menschen abschieben, die einem anderen Staat angehören und die hier gegen das Gesetz verstoßen haben. Aber was würde es bedeuten, wenn dies für jeden Straffälligen angewandt würde? Es könnte die Todesstrafe für einen Ladendieb bedeuten, der als politisch Verfolgter in das Land eines Unrechtsregimes abgeschoben würde. Es ist erstaunlich, dass in unserem Land, aber auch in anderen Staaten Europas nazistisches Denken bei manchen immer wieder Anhänger findet. Erstaunlich gerade deshalb, weil die deutsche Bevölkerung auch unter dem Nationalsozialismus grenzenloses Leid erfahren hat:

Folgen der NS-Zeit

1. Menschenverluste durch den Krieg:
55 Millionen Tote
35 Millionen Verletzte
  3 Millionen Vermisste

2. Menschenverluste in der Zivilbevölkerung durch Konzentrationslager, Arbeitsdienst,
    Zwangsarbeit, Deportation, Vertreibung:
25 Millionen davon:
   7,0 Millionen Russen
   4,2 Millionen Polen
   8,8 Millionen Deutsche
   davon: 6 Millionen jüdische Mitbürger

3. Kriegskosten
Insgesamt hat der Krieg die Weltwirtschaft 1,5 Billarden Dollar gekostet.

4. Politische Folgen
 4.1. Teilung Europas in zwei Blöcke
 4.2. Isolierung Deutschlands
 4.3. Durch die Ideologie der Nazis waren bestimmte Denkweisen verboten. Einsteins
       Relativitätstheorie durfte z.B. nicht verfolgt werden. Die moderne Chiptechnologie fußt aber
       auf den Schlussfolgerungen der modernen Physik (Quantenmechanik u.a.) Dadurch war
       Deutschland wissenschaftlich weit zurückgefallen.

5. Seelische Folgen für das Weltgewissen durch die unbeschreiblichen Gräueltaten in den
    KZ´s usw.

Oft machen sich Mitmenschen nicht bewusst, was es bedeutet, zum Beispiel das Symbol des Hakenkreuzes irgendwo hinzuschmieren. In allen Dörfern und Städten des Landkreis Leer leben Menschen, die unter den Nazis schwer gelitten haben. Rechtsradikale Parolen erinnern sie an diese schlimme Zeit. Eltern und Schule sind hier in der Verantwortung, auf ihre Kinder dahingehend zu wirken, dass solches Denken, solche Symbole in der Versenkung einer Zeit verschwinden, die niemand sich wieder herbeiwünschen darf.

6. Ein Auszug über die Liste der völkerrechtlich verbrecherischen Überfälle und Okkupationen
    durch deutsche Truppen

1937    Terrorbomardements in Spanien (Durango, Guernica)
1938    Einmarsch in Österreich
            Besetzung eines Teils der Tschechoslowakei
1939    Einmarsch in dem Rest der Tschechoslowakei
            Einmarsch in Polen (1. September; Beginn des 2. Weltkrieges)
1940    Einmarsch in Dänemark, Norwegen, Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich
            Terrorluftangriff gegen Rotterdam
            Massenluftangriffe gegen Großbritannien
            Besetzung Rumäniens
1941    Besetzung von Teilen Nordafrikas, von Jugoslawien und Griechenland
            Angriff der Sowjetunion

7. Das andere Deutschland:

„Wenn ich über die Schulter zurückblicke, so sehe ich in meiner Erinnerung die zahlreichen Gesichter politischer Gefangener. Ein Teil von ihnen sah die Freiheit wieder, ein anderer Teil jedoch starb. Ich sehe noch ihre vielen Gesichter gegenüber dem meinen in der Zelle sprechen, leise und gequält, mager und unverzagt. Sie warteten auf das große Glück, auf die Freiheit, auf den Untergang des Werwolfs, auf das Ende des Krieges. Es ist alles gekommen, wie wir es damals geträumt hatten. Und doch ganz anders. Und wenn ich am Leben geblieben bin, so packt mich die Erinnerung an die Unzähligen, die ich dahingehen sah, oft mit tiefer Trauer, denn in jener Zeit der Leidenschaften, in der die Menschenleben so billig waren wie Brombeeren, in jener Zeit begriff ich die Größe und Kraft des menschlichen Geschlechts. Mit einem Mut traten die Männer und Frauen unseres Landes vor den Gerichtstisch und an das Schafott, der bereits aus der Ewigkeit stammte und der nie vergessen werden darf. Hier in Deutschland lebte die Idee der Freiheit ungebrochen, sie lebte in aber Tausenden von Zellen, aber sie lebte. ... Wenn einst von den Nachgeborenen das Kapitel gelesen wird von jener Zeit, die unsere Zeit war, so bitte ich mit aller hartnäckigen Bescheidenheit, jene Hunderttausende nicht zu vergessen, die aufrecht gegen den blutbesudelten Terror gekämpft haben und dabei kämpfend an der Schafottfront gefallen sind."
(Günter Weisenborn, Memorial, 1948)

8. Wenn wir uns erinnern und moralisch urteilen, stellt sich  Eingedenken her

Aus einer Rede von Bundespräsident Theodor Heuss von 1952 in Bergen-Belsen:

"Wer hier als Deutscher spricht, muss sich die innere Freiheit zutrauen, die volle Grausameit der Verbrechen,
die hier von Deutschen begangen wurden, zu erkennen.

Wer sie beschönigen oder bagatellisieren wollte oder gar mit der Berufung auf den irregegangenen Gebrauch sogenannter
`Staatsräson´ begründen wollte, der würde nur frech sein."

 zurück zur homepage