Bericht von den Veranstaltungen der 25. Ostfriesischen Hochschultage

Veranstaltungsort: Europahaus Aurich
Von-Jhering-Str. 35; 26603 Aurich



Anfang des 19. Jahrhunderts fängt es an. Da treffen sich Lehrerinnen und Lehrer um sich fortzubilden. So wird 1826 in Weener ein Vortrag über Lehrerfortbildung gehalten. 

1954 beginnt der Ostfriesische Lehrerverein (später sein Nachfolger, die GEW) mit den Pädagogischen Wochen, die als Hochschultage seit 1963 jeweils eine Universität einladen.

Am 12./13. März ist die Universität Hildesheim mit ihrer Fortbildungseinrichtung M.O.S. zu Gast. Organisiert werden die Veranstaltungen vom Arbeitskreis Ostfriesische Hochschultage geleitet von Jürgen Richter mit Moderatoren aus allen Kreisverbänden der Region im Europahaus Aurich.
 

Die Referenten der Ostfriesischen Hochschultage von der
Universität Hildesheim

12. März 2009

Pressegespräch:

Beim Pressegespräch geht der Vorsitzende des Arbeitskreises Jürgen Richter auf das Motto „Wir schaffen die Schule“ ein. Er betont, dass Alfred Hinz mit seinem Hauptvortrag am Abend den radikalsten Ansatz für eine innere Schulreform vertritt. Mit der Uni Hildesheim sei man bemüht, möglichst schulnahe Fortbildungsangebote anzubieten. Für die GEW ist bildungspolitisch orientierte Fortbildung Teil der Gewerkschaftsarbeit neben der Interessenvertretung. Jürgen Richter plädiert für eine möglichst lange gemeinsame Schulzeit.

Der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes der GEW Michael Strohschein verweist auf den wachsenden Protest in Niedersachsen gegen die aktuellen Beschlüsse der Landesregierung im Schulbereich. Kritisiert werden unter anderem die Erschwernisse der Arbeit der Gesamtschulen, die unerträglichen zusätzlichen Belastungen der Kollegien, die zweitägigen Praxistage an den Hauptschulen. Hasso Rosenthal, der Pressesprecher des Arbeitskreises wirft ein, dies sei Bildungsdiebstahl. Michael Strohschein betont, dass die gegenwärtige Regierung die Arbeit in den Schulen massiv behindere und vernünftige Reformen verhindere. Die Maßnahmen zur Unterrichtsversorgung würden nicht verhindern, dass in der Zukunft in erheblichem Umfang Unterricht ausfallen werde. 

Als nächstes berichtet Alfred Hinz, der ehemalige Schulleiter der Hauptschule Bodenseeschule von seiner Arbeit. Er fordert den Umbau der Schulen von der „Unterrichtsvollzugsanstalt“ zur Bildungseinrichtung. Man müsse von den Lehrplänen weg zum Bauplan des Lebens kommen. Die Bodenseeschule zeichnet sich aus durch offene Unterrichtsformen, wie sie im Film von Reinhard Kahl eindrucksvoll gezeigt werden. Geleitet wird die Arbeit in der Schule von dem Montessori-Wahlspruch: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Seine Pädagogik geht von der Vielschichtigkeit eines jeden Schülers aus. Niemand dürfe in eine Schublade gepackt werden. Es sei nachgewiesen, dass jedes Kind viele unterschiedliche Begabungen in sich trage. Deshalb sei es der falsche Weg in Deutschland, dass wir „Weltmeister im Müll- und Kindersortieren“ seien. 

Frau Dr. Margitta Rudolph, Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten an der Uni Hildesheim stellt ihre Hochschule vor. Sie verweist darauf, dass Neurobiologen mehr Vernetztheit, mehr Lernen im Zusammenhang fordern. Alle Anwesenden drücken ihre Betroffenheit über die Folgen des Attentats in Winnenden aus. Jürgen Richter weist auf die Vielzahl möglicher Ursachen wie Vereinsamung, Ausgrenzen und die Nutzung von gewaltverherrlichenden Medien hin.
 


 
Eröffnungsveranstaltung:
Donnerstag, 12. März 2009, 19.30 Uhr im Europahaus, Plenarraum
Eröffnung durch den stellv. Vors. der GEW Niedersachsen, Michael Strohschein
Vorstellung der Universität Hildesheim durch Dr. Margitta Rudolph, Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten und Weiterbildung
Einführung in die Thematik:
Schule neu denken
Alfred Hinz, ehem. Leiter der Bodenseeschule
Moderation: Jürgen Richter

 

Empfang

Eröffnungsveranstaltung:

Abends gibt es im Plenarsaal des Europahauses Aurich die traditionelle Eröffnungsveranstaltung, die sehr gut von Pädagoginnen und Pädagogen aus ganz Ostfriesland besucht war. Jürgen Richter begrüßt unter anderen Michael Strohschein, den stellvertrenden Landesvorsitzenden der GEW, Dieter Knutz, den Bezirksvorsitzenden der GEW, Ulrich Dempwolf, den Präsidenten der Landesschulbehörde und Helmut Markus, den Landschaftsrat der Ostfriesischen Landschaft. 


Jürgen Richter und Michael Strohschein

Michael Strohschein fordert in seiner Begrüßungsrede Brücken zwischen Schul- und Alltagswirklichkeit. Er kritisiert, dass Schüler auf Konkurrenz getrimmt würden, um mit Zertifikaten die Schule verlassen zu können. Das widerspreche dem Auftrag der Schule, Schüler auf die soziale und kulturelle Wirklichkeit vorzubereiten. Er vergleicht den Lehrerberuf mit Sisyphos, der glücklich den Stein der Wissensvermittlung immer nach oben wälze. Zur gegenwärtigen Bildungspolitik verweist er darauf, dass das gegenwärtige Schulsystem nicht zeitgerecht sei. Überall bildeten sich Gesamtschulinitiativen, sogar der Landfrauenverband stelle die Systemfrage, weil er alle Schulabschlüsse vor Ort haben wolle. Auch sei es nicht richtig, dass die soziale Komponente viel zu sehr vernachlässigt werde. Die gegenwärtigen Maßnahmen der Landesregierung würden die Pensionierungswelle nicht berücksichtigen. Sie griffen tief in die Strukturen der Schulen wie Kürzungen bei Beratungslehrern und Schulpsychologen, Klassenzusammenlegungen, unerträgliche Belastungen der Lehrerschaft und Maßnahmen gegen den Allgemeinbildungsanspruch der Schule ein. Er fordert, dass der Kurs im Interesse der Kinder inhaltlich und finanziell geändert werde.


Ulrich Dempwolf

Im Grußwort der Landesschulbehörde bemängelt deren Leiter Ulrich Dempwolf, dass „zu wenige Menschen den schönen Beruf des Lehrers“ ergreifen wollen. Er verteidigt die Maßnahmen der Landesregierung. Im Augenblick müssten die anstehenden Probleme aus dem System während der Durststrecke von zwei Jahren gelöst werden. Bezüglich des Attentats in Winnenden will die Landesregierung mit Präventionsteams in Kooperation mit der Polizei reagieren. Er deutet das Motto der Ostfriesischen Hochschultage optimistisch und begrüßt das Fortbildungsangebot der GEW.


Dr. Margitta Rudolph

Frau Dr. Margitta Rudolph lobt die enge Praxis-Theorie-Verzahnung der Universität Hildesheim. Sie wird im Landtag über die Notwendigkeit des Ausbaus der Lehrerfortbildung referieren, für sie ihre Hochschule und die Uni Oldenburg eigene Fortbildungskonzepte entwickelt hätten. Sie stellt umfassend die gegenwärtige Arbeit der Fortbildungseinrichtung M.O.S. der Hochschule vor.


Jürgen  Richter und Alfred Hinz

Alfred Hinz, der ehemalige Leiter der Bodenseeschule (Friedrichshafen) bringt in seinem Hauptreferat des Abends das Gleichnis des Kleinen Prinzen, der auch auf dem Stern des Pädagogen gelandet sei. Er fordert: „Wir schaffen die Schule nur, wenn wir neu denken.“ und berichtet in einem unterhaltsamen Bildervortrag über 37 Jahre von der Umsetzung seiner Ideen. Grundlagen seien Anthropologie und Reformpädagogik. Alles sei schon gedacht, man müsse es nur entstauben. Jedes Kind unterscheide sich sehr von den anderen, deshalb müsse die Schule auch anders sein. Jedes Kind bringe seinen eigenen Aufbauplan, deshalb müsse Schule dem gerecht werden und jedem Schüler sein eigenes Tempo gestatten und seine eigenen Schwerpunkte unterstützen. Das ginge nur mit Wochenplanarbeit, neben der es an seiner Schule auch Lehrgänge, ein vielschichtiges Bildungsangebot und entwickelte Förderkonzepte gibt. Klassenräume sollen vorbereitete Räume für selbstständiges Arbeiten sein. Dabei müssten Lenkung und Freiheit gleichermaßen gelten. Dem entspräche eine neue Lehrerrolle als Lernbegleiter. Sie fordere den Gestalter, Beobachter, Begleiter und Gastgeber. Er empfindet es als größten Skandal, dass die Kinder in Deutschland schon mit 9 Jahren getrennt werden. So lange er Schulleiter war, hat er zentrale Tests abgelehnt, denn sie entsprächen nicht der Lernwirklichkeit. 



Impression von der Arbeit in der Bodenseeschule (Friedrichshafen)

Du gehst auf eine Schule zu, öffnest die Eingangstür, betrittst einen Klassenraum. Es ist Unterrichtsbeginn, die Lehrerin ist schon da und drei Schüler. Es ist still. Die Lehrerin bereitet den Raum für den Unterricht vor. Die Schüler holen sich Materialien aus den Lernecken, gehen zu ihrem Platz und beginnen zu arbeiten. Für sich ganz allein. Jeder macht etwas anderes. Nach und nach kommen die anderen Schüler. Sie geben Dir und dem Lehrer die Hand zur Begrüßung. Wieder erstaunt Dich: Sie fangen ohne große Erklärungen an zu arbeiten. Ganz allein. Die Lehrerin hat nichts gesagt. Es gibt kein Geschrei, keine Pausenklingel, keinen Lehrervortrag. Du bist nicht in Finnland, Du bist in der Bodenseeschule St. Martin in Friedrichshafen. 

Der ehemalige Rektor Alfred Hinz erklärt: „Wenn die Atmosphäre und die Gelegenheit gut ist, lässt sich Lernen überhaupt nicht vermeiden.“ Viele Stunden des Klassenlehrers in seiner eigenen Klasse tragen zum Erfolgsrezept der Schule bei. Die Grundidee ist die „vorbereitete Umgebung“. Jeder arbeitet auf unterschiedlichem Niveau, nach einem eigenen Lehrplan. Hinz sieht die Lehrer als Lernbegleiter, Noten und Leistungsvergleiche hält er für verzichtbar. „Wenn man den Unterricht individualisiert, dann ist man hautnah an dem Kind dran, das muss das Kind erst einmal aushalten. In einer normalen Klasse kann ein Kind ja abtauchen. Es kann sich so verhalten und dem Lehrer fällt gar nicht auf, dass es nichts tut. Das geht bei uns nicht.“ 

Diese Pädagogik ist für Lehrer nicht sehr bequem. Sie müssen mehr arbeiten, um die Lernumgebung zu schaffen. Da jedes Kind individuell arbeitet, muss man als Klassenlehrer wie ein Buchhalter hinterher sein und schauen, was macht es, was hat es geschafft. Man kann auch sehr schülerbezogen Schwächen erkennen und fördern. 

Links bei Youtube: Der Lehrer als Gastgeber (Bodenschule Friedrichshafen)

                              Treibhäuser der Zukunft. Wie Schulen in Deutschland gelingen
 
rechts: Der Bezirksvorsitzende der GEW Dieter Knutz links vorn: Helmut Markus (Landschaftrat der Ostfriesischen Landschaft)

 

Veranstaltungen



Am darauf folgenden Tag nehmen fas 600 Seminarteilnehmer aus ganz Ostfriesland an 14 Veranstaltungen der Uni Hildesheim teil. Gast ist hier auch der Präsident der Ostfriesischen Landschaft Helmut Collmann. Das Urteil der Kolleginnen und Kollegen war von den Veranstaltungen überaus positiv. 

Nachmittags geleiten einige Mitglieder des Arbeitskreises unter der Führung von Ubbo Voss die Dozenten durch Ostfriesland und zeigen Highlights der Region.
 

13. März 2009

Veranstaltungen I:            09.00 - 10.30 Uhr
Veranstaltungen II:           11.30 - 13.00 Uhr

In den Pause und vor und nach den Veranstaltungen ist Zeit zum Besuch der Schulbuchausstellung der Verlage!
 

Veranstaltungen I: 9.00 - 10.30 Uhr


Veranstaltung I.1.
Dr. Ingrid Hintz
Leseförderung (Sek I, GS Kl. 3 und 4)
Vor dem Hintergrund einer häufig fehlenden Lesesozialisation in den Familien und mit Blick auf die Ergebnisse der PISA-Studien und die Entfaltung von Bildungsstandards wird erneut bewusst, dass die Leseförderung ein Schwerpunkt des schulischen Unterrichts sein muss. Wer Leseförderung ernst nimmt, muss die Lesemotivation und die Lesekompetenz zugleich fördern, denn es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Lesenwollen und Lesenkönnen. Dabei spielt das Lesen von Büchern im Unterricht eine wichtige Rolle, womit nicht nur ein gleichschrittiges Arbeiten mit einer gemeinsamen Klassenlektüre gemeint ist. Ein selbstbestimmtes Arbeiten der Schüler anhand eines differenzierten Buchangebots eröffnet hier neue Handlungsmöglichkeiten. Wie dies in einen kompetenzorientierten Deutschunterricht begründet integriert werden und methodisch erfolgreich gestaltet werden kann, soll anhand von unterrichtspraktischen Beispielen erörtert werden.
Moderation: Inka Schoß-Friedrichs
Ort: Plenarsaal
 
Veranstaltung I.2.
Loek Grobben
Konzentrierte Lernatmosphäre – Sinne mobilisieren (KITA und GS)
Wie ermögliche ich eine entspannte Unterrichtsatmosphäre in der Schule? Dazu bedarf es der Schaffung einer konzentrierten Lernatmosphäre, (Wieder-) Herstellung der seelischen und körperlichen Balance sowie einer Blockadenlösung. Die Idee ist, die Ausdrucksfähigkeit, das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung zu stärken.
Moderation: Birgitta Kasper-Heuermann
Ort: Haus am Collmannsgang / Seminar
 
Veranstaltung I.3.
Karl Starkebaum
Kerncurriculum Englisch (Sek I)
Verständnis und Interpretation von Standards und Kompetenzen, Formen der mündlichen und schriftlichen Leistungsfeststellung, Aufgaben der Fachkonferenz. Besondere Aspekte sind der Übergang in die Klasse 5 sowie Fragen und Antworten im Zusammenhang mit den neuen Handreichungen für den kompetenzorientierten Englischunterricht und mündliche Prüfungen.
Moderation: Edeltraut Breiter
Ort: Haus Harnischfeger
Veranstaltung I.4.
Michael Franz
Methodentraining (alle Schulformen)
In diesem Seminar sollen Wege aufgezeigt werden, wie dem Methodenlernen im Schulunterricht ein deutlich größerer Stellenwert eingeräumt werden kann, als das traditionell der Fall ist. Dabei soll die Methode nicht über den Inhalt gestellt werden. Aber: Nachhaltiges inhaltliches Lernen hängt ganz entscheidend von abgeklärten Lern-, Arbeits-, Kommunikations- und Kooperationsmethoden ab. Wie man diese vermitteln kann, soll auch anhand praktischer Übungen dargestellt werden.
Moderation: Peter Hürter
Ort: Kaminzimmer 1
Veranstaltung I.5.
Dr. Dieter Hintz
Kompetenzorientierung und „guter“ Unterricht (alle Schulformen)
Die Schülerinnen und Schüler haben Anspruch darauf, dass die Lehrerinnen und Lehrer mit ihnen und für sie „guten“ Unterricht planen und durchführen. Doch was ist eigentlich „guter“ Unterricht? Und was hat die „Kompetenzorientierung“, die sich wie ein roter Faden durch Bildungsstandards und Kerncurricula zieht, mit „gutem“ Unterricht zu tun? Taugt sie möglicherweise - und wenn ja, unter welchen Bedingungen - als Leitidee für das Lehren und
Lernen? Diese Fragen sollen im Workshop praxisbezogen und mithilfe von Fallbeispielen erörtert werden - auch als Handlungsorientierung für die individuelle Unterrichtspraxis.
Moderation: Günter Beyer
Ort: Pavillon
 
Veranstaltung I.6.
Ulrich Kreutzahler
SEIS - Interne Evaluation (alle Schulformen)
Das Steuerungsinstrument ‘SEIS’ (Selbstevaluation in Schulen) besteht aus einem international tragfähigen Qualitätsverständnis von guter Schule. Wie gestaltet eine Grundschule Fragebögen zur Befragung von Schülern, Lehrern, Eltern, Ausbildern und sonstigen Mitarbeitern sowie ein vergleichendes Berichtswesen? Der Umgang mit diesem Instrument wird eingehend besprochen. Als eines der wesentlichen Elemente der Eigenverantwortlichen Schule hat es einen hohen Stellen- und Gestaltungswert für jede einzelne Schule im Sinne der Schul- und Qualitätsentwicklung in Niedersachsen.
Moderation: Volker Rudolph
Ort: Wintergarten am Collmannsgang
Veranstaltung I.7.
Peter Thon
Zeitgemäße Formen der kollegialen Beratung (alle Schulformen)
Hospitationsringe und unterrichtsbezogene Beratungen von Lehrkräften gehören in Zukunft vermehrt zu Methoden der Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung schulischer Arbeit. In diesem Workshop wird ein Erfahrungsaustausch über praktizierte Verfahren bei Unterrichtsbesuchen ermöglicht. Sinnvolle Möglichkeiten der Dokumentation werden diskutiert. Es wird eine humane, kollegiale und effektive Methode der Gestaltung von Besprechungen nach solchen Unterrichtsbesuchen vorgestellt.
Moderation: Theo Wimberg
Ort: Raum „Europa direkt“

Veranstaltungen II:           11.30 - 13.00 Uhr
Veranstaltung II.1.
Dr. Gabriele Hinney
Rechtschreibkompetenz, aber wie? (GS)
Rechtschreibkompetenz ist Teil des Kompetenzbereichs Schreiben und hat
dienende Funktion: Diese Definition hat zur Konsequenz, dass der Rechtschreibunterricht
in althergebrachter Form, der seinen Niederschlag in
Klassendiktaten und Rechtschreibnoten gefunden hat, neue Wege gehen
muss. Es werden alternative, praxiserprobte Wege aufgezeigt wie durch
bewusstes Strategielernen notwendige Kompetenzen angebahnt, gezielt gefördert,
beobachtet und überprüft werden können.
Moderation: Petra Schweitzer
Ort: Plenarsaal
 
Veranstaltung II.2.
Ulrike Stengert-Schaumburg
Vor und nach der Schulinspektion (alle Schulformen)
Viele Schulen verbinden mit dem Besuch durch die Schulinspektion das Bild von nächtlichen Sitzungen, in denen jede Menge Konzepte geschrieben werden, um die Inspektoren zufrieden zu stellen. In diesem Seminar geht es sowohl um die Frage, wie man sich als Kollegium auf die Schulinspektion vorbereiten kann, ohne in „hektische Betriebsamkeit“ auszubrechen, als auch darum, wie man den Inspektionsbericht sinnvoll für den weiteren Schul- und Qualitätsentwicklungsprozess nutzen kann. 
Moderation: Peter Klein-Nordhues 
Ort: Haus am Collmannsgang / Seminar
 
Veranstaltung II.3.
Dr. Knut Lohmann
Kerncurriculum Mathematik (Sek I)
Die Inhalte der verbindlichen Kerncurricula im Fach Mathematik für die Grundschule werden dargestellt. Hierbei ist es von besonderer Bedeutung, die Kenntnisse der Schüler aus ihrem Erfahrungsbereich im Unterricht und die mathematische Aufgabenstellung einzuarbeiten. Ebenso sollen Ausblicke auf die Anforderungen der Industrie und des Handels auf mathematische Inhalte aufgezeigt werden.
Moderation: Mareike Neudeck
Ort: Wintergarten am Collmannsgang

Veranstaltung II.4.
Brigitte Hartmann-Rathe
Einführung in die Encaustic, eine antike neu entdeckte Maltechnik (GS / Sek I)
Die Encaustic ist eine prozessorientierte Malerei, die auch ohne Vorkenntnisse zu kreativen Ergebnissen führt. Material und Werkzeug stehen zur Verfügung. Grundtechniken werden experimentell erfahren. 
Moderation: Barbara Traxler
Ort: Pavillon
 
Veranstaltung II.5.
Heinz-Dieter Ulrich
Lions-Quest, Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen (Sek I und II, FöSch)
Die Vermittlung von sozialen Kompetenzen ist das wirkungsvollste Instrument zur Verminderung jugendlichen Problemverhaltens. Sie wirkt gegen Versagen in der Schule, Jugendkriminalität, Gewaltbereitschaft und Missbrauch von Suchtmitteln (Prof. Hurrelmann). Lions-Quest „Erwachsen werden“ setzt hier an und fördert die sozialen und kommunikativen Kompetenzen und den Erwerb neuer Verhaltens- und Handlungsmöglichkeiten. Das Programm soll im Workshop an praktischen Beispielen vorgestellt werden und neugierig machen für die Teilnahme an einem Seminar.
Moderation: Detlev Spindler
Ort: Kaminzimmer 
Veranstaltung II.6.
Hubert Lohrenz
Sexualerziehung in der Schule (GS oder Sek I)
Schule hat sich seit PISA in vielfältiger Weise verändert, auch die Grundschule. Die kognitiven Lernelemente der Hauptfächer dominieren, weil daran der Erfolg von Schule festgemacht wird. Musische Fächer, Sport und Unterrichtsprinzipien werden vernachlässigt. Sexualerziehung gehört dazu. Sowohl in den Modulen der neuen konsekutiven Lehrerausbildung als auch in der Lehrerfortbildung taucht dieser Inhalt kaum noch auf. Da Sexualität aber ein konstitutives Element in der Entwicklung und bei der Identitätsgewinnung der jungen Menschen bleibt, hat sie heute nach wie vor ihre Berechtigung im Curriculum
der Grundschule. In der Veranstaltung soll über
die Begründung, die Legitimation und die didaktische und methodische Umsetzung 
nachgedacht werden.
Moderation: NN
Ort: Raum im Hauptgebäude: Europa direkt
Veranstaltung II.7.
Katharina Fehlauer
Hits for Kids - Tanzen im Unterricht (GS / Sek I)
Die Bereiche Bewegung und Tanz gehören zur ganzheitlichen Lern- und Leistungsentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Im Kurs werden kleine
Bewegungseinheiten für zwischendurch angeboten sowie Tanz- und Bewegungsformen aus den Bereichen Pop, Hip Hop und Street Dance vorgestellt. Diese verfolgen unterschiedliche Zielsetzungen, z. B. das musikalische Lernen, das Bewegungslernen oder die kreative Arbeit. Es werden Reduzierungs- und Erweiterungsmöglichkeiten erläutert.
Moderation: NN
Ort: Untergeschoss Freizeitkeller

Stellungnahmen für den Flyer:


1. Jürgen Richter (Vorsitzender des Arbeitskreis Ostfriesische Hochschultage)

Auch in der Finanzkrise wird über Schule geredet. Das ist erfreulich. Das Stichwort Infrastruktur gibt die Überschrift. Das wollen wir nicht gering erachten. Denn es bedeutet Hoffnung, dass „Pisa“ und andere Schreckensmeldungen in der deutschen Politik zumindest verbal evtl. auch im Bewusstsein der politisch Handelnden angekommen sind. 

Allerdings muss die wirkliche finanzielle Absicherung noch festgeklopft werden. Und: Die notwendigen Ziele einer umfassenden Strukturreform sowie einer Reform der Inhalte von Schule stehen immer noch nicht auf der bildungspolitischen Tagesordnung. 

So fehlen in der augenblicklichen bildungspolitischen Diskussion der Entscheidungsträger einerseits Bereiche, die abseits der abtestbaren Standards liegen, wie die Erziehung zum Bürger, die Erkundung und Ausbildung besonderer Begabungen (abseits des curricularen Mainstreams), die Einübung in Gemeinschaft, Verantwortung, Kooperation und selbstständiges Handeln. 

Andererseits sind auch die notwendigen Konzepte für Aus- Fort- und Weiterbildung zur Stärkung der Lehrer- und Erzieherkompetenz nicht im Blickfeld. 

Die Ostfriesischen Hochschultage 2009 versuchen deshalb, diesen wesentlichen Aspekt der augenblicklichen Krise unseres Bildungssystems noch stärker als in der Vergangenheit in den Vordergrund zu heben: Stärkung der Lehrerkompetenz. „Wir schaffen die Schule“ hat die schon gedankliche Fortsetzung „oder ...“; jedoch gilt es auch, die Notwendigkeit der Verbesserung und die Machbarkeit der Veränderung erfahrbar zu machen. Gute Beispiele und verständliche Vorschläge erwarten wir dafür in unseren Veranstaltungen. 


2. Dr. Margitta Rudolph (Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten und Weiterbildung an der Universität Hildesheim)

Das WeiterbildungsCentrum M.O.S. hat sich besonders auf Angebote für Schulen und Lehrkräfte spezialisiert. Die Angebotspalette beinhaltet sowohl die Organisation und das Management von Schule, die Qualifizierung von Schulleitungen sowie spezielle Workshops für Lehrkräfte aller Fächer. Die Referenten/ innen besitzen alle einen wissenschaftlichen Hintergrund und haben zudem eine langjährige Erfahrung in der Schule, so dass wir eine sehr gute Verzahnung von Theorie und Praxis bieten können. 

Wir sind Profiluniversität
Das wissenschaftliche Profil der Stiftung Universität Hildesheim setzt sich aus drei Schwerpunkten zusammen: Bildungswissenschaften, Kulturwissenschaften, sowie Informations- und Kommunikationswissenschaften. Das „Hildesheimer Modell“ ist unser besonderes Studiengangskonzept: Das Lehramtsstudium enthält schulpraktische Studien vom ersten Semester an. Kulturwissenschaftlern wird künstlerische Praxis geboten. Das IT-Studium ist eng mit der Wirtschaft vernetzt. Der neu eingerichtete BAStudiengang „Wirtschaftsinformatik“ ist Ergebnis dieser Kooperation und etabliert die Verzahnung von Forschung, Lehre und Praxis. Wer angewandte Sprachwissenschaften studiert, will übersetzen oder Information international managen und macht das während seines Studiums auch im Ausland. Das Qualitätsmanagement in Forschung und Lehre nimmt eine besondere Rolle ein, gerade auch in Hinblick auf die Ansprüche einer Profil-, Stiftungs- und Studierendenuniversität: Die Universität Hildesheim bietet 4.500 Studierenden ein qualifiziertes Studium in persönlicher Atmosphäre. ()


3. Alfred Hinz (ehemaliger Rektor der Bodenseeschule)

„Schule neu denken“ – das ist das Gebot der Stunde.

Schule muss Stätte der Personwerdung sein, sie muss einen Lebensraum darstellen, der pulsiert, weil er rhythmisiert ist und dadurch, dass er reformpädagogischen Forderungen nach ganzheitlicher Bildung und Erziehung gerecht wird. Die Belehrungsschule des 19. Jh. muss sich zur Schule als Lern- und Lebensraum im 21. Jh. wandeln. Kognitive Angebote werden von ästhetischen, emotionalen und handwerklichen Angeboten abgelöst. Soziale Kompetenzen werden ernsthaft eingefordert und auch eingeübt. Schließlich sollen Formen demokratischen Tuns vorsichtig und schülergerecht geübt werden. Über allem steht aber die Auffassung: „Gut, dass Du da bist. Auf Dich kommt es an und es lohnt sich für Dich, dass Du erwachsen wirst.“
 

Der Arbeitskreis Ostfriesische Hochschultage
hintere Reihe von links: Ronald Wilts, Jürgen Richter, Ubbo Voss, Detlev Spindler, Günter Beyer
vordere Reihe: Hasso Rosenthal, Ahmed Chaker, Gudrun Jakobs


Ein wichtiger Ort ist seit über 50 Jahren die vom Arbeitskreis Ostfriesische Hochschultage der GEW organisierte Bildungsveranstaltung. Seit 1954 gibt es Pädagogische Wochen in Ostfriesland, die ab 1962 in Aurich als Ostfriesische Hochschultage alle zwei Jahre durchgeführt werden. 

Dabei setzt der Arbeitskreis eine Tradition der gewerkschaftlich orientierten Fortbildung fort, die mit den osfriesischen Lehrervereinen schon Anfang des 19. Jahrhunderts begonnen hat. Über 10000 Lehrerinnen und Lehrer, Kindergärtnerinnen und Erzieher haben sich hier getroffen, um sich gemeinsam fortzubilden, Kontakt mit Hochschulen zu pflegen und Erfahrungen auszutauschen. 

Dabei waren Universitäten wie Oldenburg, Hannover, Dortmund, Bremen, Groningen oder Münster bei den bisher 18 Veranstaltungen eingeladen. Der Hochschultag beginnt in der Regel am Vorabend mit der Eröffnungsveranstaltung und setzt sich dann am folgenden Vormittag fort mit parallel laufenden Referaten und workshops. Besonderen Zuspruch findet auch die Schulbuchmesse, die gleichzeitig stattfindet. 

Die Kosten der Veranstaltung trägt die Gewerkschaft, die damit neben ihrem Einsatz zur Verbesserung  der Arbeitsbedingungen im Bildungsbereich auch die Tradition der Lehrerbildung pflegt. Die Bezirksregierung unterstützt diese Arbeit, indem sie ihren Beschäftigten die Teilnahme der Veranstaltung empfiehlt.

1826 berichtete M.C. van Hoorn in seinem Vortrag im südlichen Ostfriesland (Weener im Rheiderland) über die "Bildung des Schullehrers" u.a.:
"Seine Kenntnisse in den genannten Wissenschaften muß er gleichmäßig zu erweitern suchen. Er muß sich hüten, auf  Kosten eines Lieblingsstudiums, die übrigen Wissenschaften zu vernachlässigen, und sorgen, daß die Ausbildung eines jeden Zweiges bei ihm gleichen Schritt halte. - Endlich muß der Lehrer mit den besten Methoden des Unterrichts bekannt seyn, und die Vor- und Nachtheile einer jeden Methode in Erwägung ziehen können." ()

"Die Bildung eines guten Schullehrers besteht in derjenigen Richtung seines Geistes, welche ihn im Stande setzen, die ihm anvertrauten Lehr- und Zöglinge nicht nur zu verständigen und geschickten, sondern auch zu guten und dadurch glücklichen Menschen herauszubilden."

Seit 184 Jahren gibt es viele Formen der selbstorganisierten Lehrerfortbildung in Ostfriesland. Das bleibt auch eine wichtige Aufgabe des Arbeitskreis Ostfriesische Hochschultage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
 


Bei der Vorplanung:
Dr. Margitta Rudolph, Detlev Spindler, Ubbo Voss, Jürgen Richter


Eingangsbereich der Uni Hildesheim


Europahaus Aurich
Von-Jhering-Str. 35
Aurich

Links:

Reinhard Barfs: Geschichte der Ostfriesischen Hochschultage bis 1995

"Die Bildung des Schullehrers in Ostfriesland" (Vortrag 1826)

Uni Hildesheim

Fachbereich 1 Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Weiterbildungsbereich Management.Organisation.Schule (MOS) der Uni Hildesheim
 

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Tagungsberichte

V.i.S.d.P. Jügen Richter
Gestaltung, Fotos  und Berichte: Hasso Rosenthal