25. Ostfriesische Hochschultage vom 15./16. März 2007 in Aurich: Bericht und Programm
Schule zwischen Standardisierung und Profilbildung
– Lehrerinnen und Lehrer als Tausendsassas
Der Arbeitskreis der Kreisverbände der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bereitete wieder die seit 1954 regelmäßig durchgeführten Ostfriesischen Hochschultage in Zusammenarbeit mit dem Paderborner Lehrerausbildungszentrum der Uni Paderborn und dem Regionalen Pädagogischen Zentrum Aurich vor. Diesmal fanden die Ostfriesischen Hochschultage am 15. und 16. März. 2007 erstmals im „Europahaus Aurich“ statt. Kooperationspartner sind das RPZ-Aurich
und
Der Arbeitskreis der Ostfriesischen Hochschultage
Die Frage nach „Standards und Kompetenzen in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ ist zu einem Thema geworden, das in der jüngsten Zeit die Diskussion um die Qualität der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern zunehmend prägt. Dabei handelt es sich um eine Frage, die nicht nur für Studierende sowie für Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter relevant ist, sondern auch für Lehrerinnen und Lehrer im Beruf: Welches „Rüstzeug“ braucht eine Lehrkraft, um die Schule von heute und morgen zu bewältigen und mitgestalten zu können? Die Schule hat sich verändert und benötigt Lehrkräfte, die über Kompetenzen verfügen, die vor zehn Jahren noch kaum eine Rolle spielten. Veränderungen in der Schule zeigen sich z.B. in Anforderungen, die aus dem Wandel der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen entstehen. Mangelnde Lernbereitschaft, Disziplinprobleme, große Heterogenität in Kenntnissen und Fähigkeiten und zum Teil problematische Wertorientierungen verweisen nur auf einzelne der gegebenen Problemlagen. Welche Kompetenzen sind vor diesem Hintergrund heute für Lehrerinnen und Lehrer unerlässlich? Neben der Entwicklung allgemein notwendiger „Kernkompetenzen“ muss eine Schule heute genauer ausweisen, was sie ihren – zum Teil sehr unterschiedlichen – Schülerinnen und Schülern bieten kann. Spezielle Schwerpunkte dienen dazu, Schülerinnen und Schüler des Einzugsgebietes einer Schule adäquat fördern und fordern zu können – aber auch um für die Schule zu „werben“. Der Ausweis eines ernst gemeinten Schulprofils ist nicht zuletzt von sozialdemographischen Faktoren abhängig. Es ist z.B. ein Unterschied, ob eine Schule Schülerinnen und Schüler aus einem ländlichen Gebiet oder aus einem großstädtischen Ballungsraum sowie aus höheren oder niedrigeren Sozialschichten ansprechen und auf deren Bedürfnisse eingehen möchte. Ein angemessenes Schulprofil setzt in diesem Sinne voraus, dass die Schule die Bedarfe in ihrem Einzugsgebiet berücksichtigt. Hier sind Lehrerinnen und Lehrer als Profis gefragt – sei es z.B., um Lernstandsdiagnose zu betreiben, soziales Verhalten zu fördern, auf gesunde Ernährung zu achten oder auf den kompetenten Umgang mit Medien vorzubereiten. Lehrerinnen und Lehrer sollen dabei nicht nur alles ein bisschen können, sondern auch selbst Profile aufweisen, mit denen sie ihre Schule als Profi unterstützen können. Die Tagung bietet zum einen ein Forum für die Auseinandersetzung
mit dem geschilderten Themenfeld und zeigt zum anderen in Workshops in
exemplarischer Weise auf, welche Kompetenzen in verschiedenen Bereichen
der Schulpraxis notwendig sind und wie sie erworben werden können.
Programm Eröffnungsveranstaltung Donnerstag, 15.03.2007 19.30 Uhr „Güterschuppen des Gymnasiums
Ulricianums"
Hauptvortrag Herrn Prof. Dr. Bardo Herzig (Universität
Paderborn, Erziehungswissenschaftliches Institut)
In dem Vortrag soll zunächst die Diskussion um Bildungsstandards,
Kernlehrpläne und Schulcurricula kurz aufgenommen werden. Es
stellt sich die Frage nach der Entwicklung von Kompetenzmodellen und Standards
für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Beispiele aus der
deutschen und internationalen Diskussion sollen skizziert werden. Abschließend
geht es um eine zusammenfassende Reflexion zum Stellenwert und zur Kritik
von Standards in der Schule und in der Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen
und Lehrern.
Freitag, 16.03.2007, 09.30 - - 10.30 Uhr und 11.30 – 13.00 Uhr
Ein herzlicher Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des
Katharina Köller (Universität Paderborn, Institut für Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft) und Elke Düsing (Universität Bielefeld, Institut für Linguistik und Literaturwissenschaft): Tagung I.1 Diagnostische Verfahren im Deutschunterricht Diagnostische Verfahren gewinnen aufgrund der wachsenden Heterogenität in den Klassen immer mehr an Bedeutung, um eine individuelle und prozessorientierte Förderung der Schülerinnen und Schüler realisieren zu können. Hierzu gehören sowohl kriterienorientierte Beobachtungsverfahren und Fragebögen als auch standardisierte Tests, die im Fach Deutsch insbesondere zur Überprüfung der Rechtschreibentwicklung und der Lesekompetenz eingesetzt werden. In diesem Workshop werden nach einer Einführung in die Grundlagen der Diagnostik ausgesuchte Lese- und Rechtschreib-Testverfahren vorgestellt und diskutiert. Zum Abschluss der Veranstaltung wird ein kurzer Überblick über entsprechende Fördermaßnahmen und Materialien gegeben. Diskussionsleitung: Insa Bulicke
Dr. Mechthild Gomolla (Universität Paderborn, Erziehungswissenschaftliches Institut): Tagung I.2 Schulqualität, Schulentwicklung und Bildungschancen im Kontext sprachlich-kultureller Heterogenität Der erste Teil des Workshops bietet eine Einführung in das Problemfeld der institutionellen Diskriminierung im Bildungs- und Erziehungssystem. Nach einer kurzen Einleitungsoll anhand von Fallbeispielen gemeinsam erarbeitet werden, wie Diskriminierung im Schulalltag zustande kommt und aufrecht erhalten wird. Im zweiten Teil werden unter Einbezug konkreter Praxismodelle Ansatzpunkte zur Prävention und zum Abbau institutioneller Diskriminierung im Rahmen schulischer Qualitätsentwicklung und -sicherung vorgestellt. Diskussionsleitung: Klaus Kluth
Michael Ahlers: Tagung I.3 Neue Medien für den Musikunterricht - Arbeitserleichterung oder zusätzliche Belastung? Innerhalb des Workshops wird auf die Möglichkeiten eingegangen, wie und an welchen Stellen die so genannten Neuen Medien in einen zeitgemäßen Musikunterricht integriert werden können oder dies bereits geschieht. Neben Beispielen aus der Fachliteratur und praktischen Demonstrationen sollen auch die Bedenken und Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert werden. Diskussionsleitung: Wilfried Wiemer
Dr. André Diesel (Lehrer-Online, Schulen ans Netz e. V.): Tagung I.4 Dynamische Mathematik - nicht nur im Mathematikunterricht Dynamische Mathematik ermöglicht Visualisierungen, die mit traditionellen Medien nicht realisierbar sind und fördert einen aktiv-entdeckenden Zugang zu mathematischen Inhalten. Lernprozesse werden dadurch wirkungsvoll unterstützt. Und das nicht nur in der Mathematik, sondern auch in den Naturwissenschaften. Hier bieten sich insbesondere in der Physik zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, die im Rahmen dieses Workshops vorgestellt werden. Diskussionsleitung: Mareike Neudeck
Heinz Dorlöchter und Dieter Wiebusch: Tagung I.5 Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen videogestützter Unterrichtsreflexion Im Projekt "Unterricht im Diskurs" haben wir über einen Zeitraum von drei Jahren am Landesinstitut für Schule in Soest (NRW)ausbildungsdidaktische und ausbildungsmethodische Konzepte entwickelt und erprobt, wie die digitale Videotechnik für die Lehrerausbildung am Studienseminar zu nutzen ist. Unter Berücksichtigung berufsethischer Schutzregeln ist es möglich, die individuelle Kompetenzentwicklung (Reflexions-, Handlungs- und Entwicklungskompetenz) durch den begleiteten Blick in den Videospiegel wirksam zu unterstützen. Dabei ist es uns wichtig, auch die Ausbilderinnen und Ausbilder in den Videospiegel schauen zu lassen. Diesen Ansatz haben wir inzwischen auch in der Lehrerfortbildung angewendet. Der Workshop bietet einen anschaulichen Einblick in die videogestützte Arbeit sowie eine Einführung in das ausbildungsdidaktische Konzept. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern soll erörtert werden, wie digitale Videotechnik in der Arbeit an der eigenen Professionalität und in kollegialen Beratungsformen eingesetzt werden kann. Diskussionsleitung: Gabi Kleen
Sebastian J. Dorok (Mariengymnasium Arnsberg): Tagung I.6 Podcasts im Unterricht – eine Einführung mit Workshop Ein Mikrofon, ein Audio-Editor und ein Internetzugang, mehr ist im Prinzip heute nicht mehr notwendig, um mit dem Computer eine etwas zeitversetzte Amateur-Rundfunksendung zu erstel-len. Diese Sendung, die als Podcast bezeichnet wird, kann man sich dann bei Bedarf im Internet anhören. Podcasts bieten auch für den Unterricht interessante Möglichkeiten. So können z. B. vorhandene fremdsprachige Podcasts im Unterricht eingesetzt werden, die technische Ausrüstung eignet sich auch zur Hörspielproduktion oder es wird ein Feature zum Thema Werbung von Schülerinnen und Schülern selbst erstellt. Im Rahmen des Workshops wird zum einen ein kurzer Einblick in die Geschichte der Podcasts gegeben und zum anderen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein erster Podcast selbst erstellt. Diskussionsleitung: Reinhardt Donath
• Prof. Dr. Anne Ratzki (Universität Paderborn, Institut für Erziehungswissenschaft): Tagung II.1 Jedes Kind ist anders – ein Blick in die skandinavische Lernkultur Das eben abgeschlossene EU-Projekt „Eu-Mail“ (European Mixed Ability and Individualised Learning) erlaubt uns einen eindrucksvollen Blick in die skandinavische Lernkultur. Berichte über Schulbesuche, Interviews mit LehrerInnen und SchülerInnen in Finnland, Schweden und Norwegen und Unterrichtsfilme zeigen, wie die Schulen mit der Heterogenität ihrer Schülerinnen und Schüler erfolgreich umgehen. Der Workshop wird kurz in die Grundlagen der skandinavischen Lernkultur einführen. Filmausschnitte zeigen anschaulich, was in Unterricht und Schulleben geschieht. In Gruppen und im Plenum sollen die Eindrücke vertieft und ausgewertet werden. Schließlich wollen wir auch fragen, was wir in Deutschland von Skandinavien und Finnland lernen können. Diskussionsleitung: Peter Hürter
StD Georg Israel (Universität Paderborn, Ernährung und Verbraucherbildung): Tagung II.2 Gesundheitsfördende Schule Komplexer werdende Aufgaben am Arbeitsplatz Schule einerseits, mangelnde individuelle Problembewältigungskapazitäten und die unzureichende Nutzung von Schulentwicklungsmöglichkeiten führen zu hohen gesundheitlichen Belastungen bei allen Beteiligten. Schulen können so ihren Auftrag zur Bildung und Erziehung der Schülerinnen und Schüler nur noch unter erschwerten Bedingungen gerecht werden. Eine gute gesunde Schule kann dazu beitragen, den Lernort für Schülerinnen und Schüler sowie den Arbeitsplatz für Lehrerinnen und Lehrer gesundheitsförderlicher und damit auch effektiver zu gestalten. Übergeordnetes Ziel einer solchen Schule ist die Steigerung ihrer Bildungsqualität. So wird die Gesundheitsförderung zu einem als notwendig verstandenen Teil von Personal-, Unterrichts- und Schulentwicklung. In diesem Workshop werden Chancen, Strategien und Praxisbeispiele erörtert. Diskussionsleitung: Renate Erdt
Bianka Gehler (Universität Paderborn, PLAZ): Tagung II.3 Einführung in die Portfolioarbeit am Beispiel des Europäischen Portfolios der Sprachen (EPS) im Englischunterricht In dem Workshop werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Arbeit mit dem EPS einerseits die Motivation zum Erlernen einer Fremdsprache (hier Englisch) fördern kann und andererseits eine Umsetzung einer differenzierten Form der Leistungsbewertung möglich wird. Um der immer größeren Heterogenität im Unterricht, gerade auch im sprachlichen Bereich, gerecht werden zu können, ist ein vermehrter Einsatz individueller Lehr-/ Lernkonzepte unerlässlich. Hierbei bietet das EPS eine Vielzahl an Möglichkeiten, nicht nur Lernprozesse abzubilden, sondern auch die Entwicklung individueller Lernstrategien zu fördern und gleichzeitig eine differenzierte Rückmeldung über die aktuelle Leistung der Schülerinnen und Schüler in Orientierung am international anerkannten Referenzrahmen der europäischen Sprachen zu geben. Diskussionsleitung: Edeltraut Breiter
Dr. Jörg Kessler (Universität Paderborn, Institut für Anglistik): Tagung II.4 Englischkenntnisse diagnostizieren: Spracherwerb und Möglichkeiten der Lernstandsdiagnostik in den ersten Lernjahren des Fremdsprachenunterrichts Um die Kinder im Englischunterricht an der richtigen Stelle abholen und entsprechend ihrer fremdsprachlichen Entwicklung optimal fördern bzw. fordern zu können, ist es wichtig zu wissen, welchen Sprachentwicklungsstand die Kinder beim Zeitpunkt der Übernahme einer Klasse erreicht haben. Dies ist umso wichtiger, je heterogener eine Klasse zusammengesetzt ist. Anhand eines computerbasierten Werkzeugs zur Diagnose des sprachlichen Entwicklungsstandes junger Fremdsprachenlerner wird verdeutlicht, wie sich solche Kenntnisse erfassen lassen und welche Konsequenzen sich daraus für die Konzeption des eigenen Unterrichts ergeben (können). Neben einer Einführung in eine alternativ zum Portfolio durchführbare Lernstandsdiagnostik für den Englischunterricht wird im Rahmen dieses Workshops die Diagnosesoftware Rapid Profile vorgestellt und erläutert. Diskussionsleitung: Dr. Dieter Müller
Sebastian J. Dorok (Mariengymnasium Arnsberg): Tagung II.5 Podcasts im Unterricht – eine Einführung mit Workshop Ein Mikrofon, ein Audio-Editor und ein Internetzugang, mehr ist im Prinzip heute nicht mehr notwendig, um mit dem Computer eine etwas zeitversetzte Amateur-Rundfunksendung zu erstel-len. Diese Sendung, die als Podcast bezeichnet wird, kann man sich dann bei Bedarf im Internet anhören. Podcasts bieten auch für den Unterricht interessante Möglichkeiten. So können z. B. vorhandene fremdsprachige Podcasts im Unterricht eingesetzt werden, die technische Ausrüstung eignet sich auch zur Hörspielproduktion oder es wird ein Feature zum Thema Werbung von Schülerinnen und Schülern selbst erstellt. Im Rahmen des Workshops wird zum einen ein kurzer Einblick in die Geschichte der Podcasts gegeben und zum anderen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein erster Podcast selbst erstellt. Diskussionsleitung: Reinhardt Donath
Cornelsen, Klett, Mildenberger, Verlag im Hollen, Finken, Persen Vorbereitungstreffen im Paderborner Lehrerbildungszentrum (PLAZ) der Universität Paderborn
von links:
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Übersicht über die Tagungsberichte seit 1996